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Zeitnah

Es gibt Wörter, die sind ansteckend. Diese Wörter gab es vor ein paar Jahren noch gar nicht. Dann hat sie irgendwer erfunden. Und immer schneller breiten sie sich aus. In Gesprächen. Und heutzutage besonders gern in Mails. Ein solches Wort ist „zeitnah“. Es ist ein böses Wort. Warum? Ich sag es Ihnen.

Immer häufiger steht am Ende einer Mail dieser Satz: „Ich bitte Sie um eine zeitnahe Antwort.“ Oder etwas gestelzter: „Ihrer zeitnahen Antwort entgegensehend, verbleibe ich ...“ Oder ganz besonders hinterhältig: „Ich freue mich auf Ihre zeitnahe Antwort.“

Der, der das schreibt, der freut sich in Wirklichkeit natürlich überhaupt nicht. Tatsächlich will der mir Druck machen. Tatsächlich heißt „zeitnah“ ja: „Jetzt aber mal ein bisschen plötzlich.“ Mit diesen zwei Silben „Zeit“ und „nah“ wird Druck aufgebaut, wird die eigene Wichtigkeit unterstrichen, wird vertuscht, dass der Schreibende selbst viel zu spät dran ist.

Und ich, der Empfänger? Ich soll jetzt mal sehen, dass ich den Zeitverzug des Senders wettmache. Nun wissen wir alle, dass es im Beruf natürlich immer hektischer zugeht, die Anforderungen steigen, die Termine immer dichter liegen. Und sicher ist da häufig Eile geboten. Das kann man dann aber auch bitte so schreiben: „Es tut mir leid, dass ich Sie um eine möglichst schnelle Reaktion bitten muss“.

Das, worum es geht, sollten wir freundlich benennen. Und eben nicht mit so einem vordergründig harmlosen und hintergründig fiesen Wort wie „zeitnah“ verkleistern. Denken Sie da bitte mal zeitnah drüber nach. 

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