18.07.2018

Westerwelle dichtet

Keine Frage, es gibt beliebtere Politiker als Guido Westerwelle. Aber in Medienfragen ist der Mann ein Profi. Deswegen weiß er auch, dass es derzeit nicht wirklich gut steht um seine Partei. Er weiß sogar, dass er dafür zentral verantwortlich ist. Und er weiß, dass die Medien nur darauf warten, mögliche Konkurrenten in der FDP hochzuschreiben. Und weil er das weiß, weiß er auch, wie man damit umgeht.

Am Wochenende war Bundesparteitag der FDP in Köln. Da hat sich die junge Generation profiliert. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler und der gerade mal 31-jährige neue Generalsekretär Christian Lindner. Westerwelle musste klar sein, wie die Medien darauf reagieren und welchen Spaß die daran haben würden, auf die neuen Köpfe hinzuweisen.

Und deswegen hat er in seiner Parteitagsrede vorgesorgt und den Journalisten gezeigt, dass er weiß, wie sie ticken. Mit einem kleinen Gedicht. Und das ging so: „Mit Lindner und Rösler wächst in der FDP die Generation heran, die Westerwelle gefährlich werden kann." Genau das, so Westerwelle, würden die Journalisten sagen. Und das ist natürlich clever: Die Schlagzeile von morgen schon heute vorwegzunehmen. Das nimmt der ein wenig von ihrer Kraft. Fragt sich nur, ob die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen für die FDP trotz der miserablen Umfragewerte auch noch zu einem Gedicht wird.

Mehr über...
Notizbuch,