22.06.2018

Verstand über Bord

In diesem Notizbuch beschäftige ich mich ja mit Kommunikation in der Öffentlichkeit. Ich versuche zu erklären, wie man es macht und wie man es nicht machen sollte. Hier ein Tipp. Da ein Ratschlag. Aber manchmal bin ich selber völlig ratlos. Etwa, wenn es um die Piratenpartei geht, die jetzt auch in den saarländischen Landtag einzieht. Die macht alles falsch. Und genau das ist derzeit offenbar richtig.

Das fängt schon mit dem Namen an. Eigentlich sind Piraten durch und durch widerwärtig und verachtenswert. Vor Somalia etwa erleben wir es immer wieder. Das hat die Piratenpartei nicht davon abgehalten, sich diesen bekloppten Namen zu geben. Und so zu tun, als stehe Johnny Depp kurz vor der Ehrenmitgliedschaft.


Dann die politischen Forderungen. Bei den Kernthemen der Piraten kann man trefflich streiten. Etwa beim Urheberrecht. Ich jedenfalls habe bis heute nicht verstanden, warum Ladendiebstahl pfui ist, der von geistigem Eigentum aber völlig in Ordnung sein soll. 


Ach, und wo wir schon bei geistigem Eigentum sind. Mit dem ist es – jedenfalls bis jetzt – bei den Piraten nicht so arg weit her. Wenn man auf deren Homepage unter Politik den Unterpunkt „Wirtschaft und Finanzen“ anklickt, dann findet sich nichts zur Verschuldung, nichts zum Euro, nichts zu Griechenland, nichts zur EU, nichts zur Wirtschafts- und nichts zur Finanzpolitik. Es findet sich überhaupt nur ein einziger Punkt, nämlich die sensationelle Forderung, die Zwangsmitgliedschaft für Unternehmen in der IHK abzuschaffen. Das ist alles. Wirklich alles.


Kurz: Die Piratenpartei hat nicht wirklich viel zu bieten. Doch offenbar macht gerade das sie so erfolgreich. Normalerweise erkläre ich hier ja Sachen. In diesem Fall aber wäre ich froh, wenn mir das mal jemand erklären könnte.