23.10.2018

Klar und deutlich

Das Ereignis ist schrecklich. Der Umgang damit vorbildlich. In der Mainzer Uniklinik sind drei Säuglinge gestorben, nachdem sie mit einer offenbar verunreinigten Infusion behandelt worden sind. Für die Klinik hätte das ein Riesenskandal werden können. Übrigens völlig unabhängig von der tatsächlichen Schuldfrage. Ist es aber nicht. Weil die Klinik in der Krise alles richtig gemacht hat.

Sie hat nichts vertuscht. Sie hat nichts für sich behalten. Sie hat zu keinem Zeitpunkt versucht, öffentlich anderen die Verantwortung zuzuschieben. Im Gegenteil, vom ersten Moment an ist der Klinikleitung offenbar klar gewesen, dass sie mit der Katastrophe an die Öffentlichkeit muss. Das war an einem Wochenende.

Und von da an hätte eine Lawine an kritischer Berichterstattung ins Rollen kommen können. Ist sie auch. Aber in der ging es um die Ereignisse in Mainz immer nur als Beispiel. Gefragt wurde nach den hygienischen Verhältnissen in Krankenhäusern insgesamt. Nicht nur nach denen in Mainz. Und das passierte deswegen, weil die Journalisten zu jedem Zeitpunkt den Eindruck hatten, dass ihnen nichts vorenthalten wurde.

Nie hieß es: „Das kann nicht an uns gelegen haben!" Oder: „Wir haben wirklich alles getan!" Stattdessen hieß es: „Wir werden alles tun, um die Antworten so schnell wie möglich zu finden." Und es hieß auch: „Das ist schlimm. Noch schlimmer wäre es für uns, wenn unsere Untersuchungen ergeben würden, dass der Fehler tatsächlich bei uns in der Klinik lag." Die Antworten waren immer klar. Sie waren immer deutlich.

Der große Skandal ist ausgeblieben. Am Ende war es eine auf dem Transport beschädigte Flasche, deren Beschädigung offenbar nicht erkannt werden konnte. Tragisch. Ganz sicher. Und schrecklich für die Familien.

Aber die Uniklinik Mainz ist mit der Katastrophe vorbildlich umgegangen. Und da kann jeder in Sachen Krisen-PR eine Menge raus lernen. Und nicht nur in Sachen PR. Damit es da keine Missverständnisse gibt.

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