22.06.2018

Geständnis

Ich muss es einfach loswerden. Auch ich hab schon gewulfft. Für das Auto, das ich fahre, habe ich einen Presserabatt in Anspruch genommen. Diese schicken Sonderkonditionen für uns Journalisten. Meine Bahncard allerdings habe ich voll bezahlt. Obwohl es auf die bisher 50% gab. Künftig nicht mehr. Und das ist auch gut so.

Natürlich versuchen Unternehmen, uns Journalisten mit allen Tricks gewogen zu stimmen. In der Regel verrechnen sie sich dabei. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass ein Journalist, der sein Deodorant mit Presserabatt kauft, sich dafür beim Hersteller revanchiert? Doch, es gibt Presserabatt auf Deos. Steht heute in der Süddeutschen. Wusste ich auch noch nicht.


Die Bahn jedenfalls hat jetzt verkündet, aus Ihrer Sicht seien solche Vergünstigungen nicht mehr zeitgemäß sind. Damit hat sie recht. Auch wenn es manchen Journalisten wurmen wird. Wenn wir an Politiker höchste Ansprüche stellen, dann müssen wir die auch an uns stellen. Auch wenn wir keinen Ehrensold kriegen, wenn wir unseren Job verlieren.


Und wo wir gerade schon dabei sind: Die meisten Journalistenpreise für herausragende Berichterstattung sind in Wirklichkeit auch nix weiter als Bestechungsversuche von Unternehmen und Branchenverbände. Und da wird es dann wirklich heikel. Denn da gehen Berichterstattung und Auszeichnung Hand in Hand. 


Ja, so weit ist es gekommen. Künftig müssen auch wir Journalisten für unser Geld richtig arbeiten. Das Leben ist hart.