18.06.2018

Ein sehr blauer Anzug

Es gibt viele Möglichkeiten, um Aufmerksamkeit zu erregen. Aber gerade eben habe ich eine kennen gelernt, die wirklich nicht alltäglich ist. Ich habe den Radverkehrskongress 2010 der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW moderiert. Dort trat auch der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer auf. In einem unglaublich blauen Anzug.

Sicher, blaue Anzüge trägt die Mehrheit der Männer. Aber nicht so so ein Blau. Ein schreiend helles, ein himmelblaues Blau. Ein Blau, das kein Mann freiwillig anziehen würde. Entsprechend merkwürdig wurde der Oberbürgermeister beäugt.

Und dann ging er auf die Bühne, schnappte sich das Mikrofon, begrüßte seine Zuhörer und sagte: „Ich weiß, mein Anzug ist abgrundtief hässlich. Aber er erfüllt seinen Zweck." Anschließend stellte er die Klima- und Umweltschutz-Kampagne „Tübingen macht blau" vor, die er ganz bewusst in seinem schrecklich blauen Anzug verkauft. So kommt er ins Gespräch. So kommen seine Ziele ins Gespräch. Er muss keinen ansprechen. Er wird dauernd auf seinen Anzug angesprochen. Der Mann kann kommunizieren, ohne ein Wort zu sagen. Gut, ein glänzender Redner ist er obendrein.

Übrigens fragte mich hinterher ein österreichischer Teilnehmer: „Sagens, dieser Oberbürgermeister, heißt dessen Fraktion eigentlich auch die Blauen?" Nein, es sind schon die Grünen.

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