22.06.2018

Die Hannelore

In der Politik geht es um Macht und um Inhalte und um Strategien. Aber obendrein geht es natürlich immer auch um Personen und darum, wie die sich in der Öffentlichkeit präsentieren. Die Hannelore macht das ziemlich clever.

Allein, dass bei dem Namen „Hannelore“ derzeit jeder automatisch an die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin denkt, ist dafür ein gutes Zeichen. Auch wenn Hannelore heutzutage natürlich kein ganz so häufiger Name mehr ist.


Hannelore Kraft jedenfalls hat inzwischen eine ziemliche Sicherheit darin entwickelt, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich hatte sie im vergangenen Jahr in der WDR-2-Sendung „Montalk“ zu Gast. Und bei der Gelegenheit habe ich mit ihr auch darüber geredet, wie das ist, immer in der Öffentlichkeit zu stehen, dauernd und überall erkannt und nicht selten auch angesprochen zu werden.


Sie hat dann dazu im Radio die Geschichte erzählt, wie sie beim Einkaufen in einem großen Kaufhaus von einem Vater mit seinem kleinen Sohn entdeckt worden ist. Der Mann kam pfeilgrad auf sie zu und wollte dringend ein Foto von ihr und dem Jungen machen. Allerdings, so Kraft, habe sie sich zu dem Zeitpunkt in der Unterwäscheabteilung befunden. Und deshalb habe sie zu dem Mann gesagt: „Darf ich denn erst die beiden Büstenhalter aus der Hand legen?“


Genau das macht Hannelore Kraft so sympathisch. Die Bereitschaft, eine solche Geschichte öffentlich zu erzählen. Auch wenn dahinter möglicherweise nur ausgesprochen clevere Berechnung steht und sie auf diese Weise sehr bewusst signalisieren will, sie sei ein ganz normaler Mensch geblieben. 


Wie haben die 68er immer gesagt? Auch das Private ist politisch. Gilt ganz besonders bei der Öffentlichkeitsarbeit.