20.06.2018

Abgeräumt

Das ist bekanntlich der klassische Satz der Kommunikationswissenschaften und er stammt von Paul Watzlawick. Dieser hier: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Genau daran musste ich die Tage bei einem längeren Hotelaufenthalt denken. Da gab es nämlich gute und schlechte Beispiele für Kommunikation mit der Kundschaft.

Beim Frühstück etwa wurden uns regelmäßig die Teller entrissen. Nein, wir wurden nicht etwa gefragt, ob wir fertig seien und man abräumen könne. Es wurden einfach von den Kellnerinnen im Vorbeirauschen die Teller vom Tisch gerissen. Immer wieder. Die armen Frauen konnten nicht sprechen und hören konnten sie auch nicht. Aber kommuniziert haben sie trotzdem. Und gesagt haben sie das hier: „Gäste finden wir hier eher lästig.“


Ganz anders im gleichen Hotel ein junger Auszubildender. Den hatte die Rezeption zu unserem Zimmer geschickt, nachdem ich mich darüber beschwert hatte, dass das Heft mit dem Fernsehprogramm aus dem Vormonat stammte. Auch das übrigens wieder Kommunikation: „So richtig achten wir hier auf nix.“


Aber der junge Mann, der hat es wieder rausgerissen und der Hoteldirektor und die anderen Mitarbeiter hätten viel von ihm lernen können. Die Nachwuchskraft nämlich klopfte an die Tür, überreichte die Fernsehzeitschrift und sagte den schönen Satz: „Ich hab sie für Sie schon auf der richtigen Seite aufgeschlagen!“ 


PS: Ja, ich gebe es zu. Wenn ich abends erschöpft ins Hotelbett sinke, dann schmeiße ich gern noch die Glotze an. Und auch das ist wortlose Kommunkation. Das heißt nämlich: „Welt da draußen. Lass mich jetzt in Ruhe.“ 


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