22.06.2018

Der nette Herr Grube

Ach, das ist schon ein netter Kerl, der Herr Grube von der Bahn. Also der Vorstandschef eines der unbeliebteren Unternehmen in dieser Republik. Man glaubt ja gar nicht, wie nett der ist. An Silvester hat er in einem ICE gekellnert. Jetzt hat er im Bahnhof Hannover auch noch Fahrkarten verkauft. Ist das tolle Öffentlichkeitsarbeit! Oder etwa doch nicht?

Das ist ja genau die Absicht der Bahn, ihren obstersten Chef prima aussehen zu lassen und dadurch selber prima auszusehen und die häufig maulige Kundschaft gewogen zu stimmen. Gegen den Versuch ist zunächst einmal nichts einzuwenden. Auch wenn die tatsächliche Steigerung der Servicequalität vielleicht ein noch besserer Versuch wäre.


„Der Chef als Arbeiter an der Basis“, das ist ein beliebtes Motiv der Öffentlichkeitsarbeit. Ich halte das für Quatsch. Meine spontane Reaktion auf den kellnernden Bahnchef ist nicht: „Muss die Bahn ein tolles Unternehmen sein, wenn der Chef sogar selber kellnert.“ Meine Reaktion ist: „Hoffentlich hat er niemandem den Kaffee auf die Hose gekleckert!“


Solche Aktionen sind ein billiger Trick. Ein sehr durchschaubarer Trick. Und deswegen ein untauglicher Kritik. Und das sag ich als jemand, der gewöhnlich der Meinung ist, dass die Bahn viel besser ist als ihr Ruf.