Menu

Lieber Marburger Bund,

Du bist ganz sicher eine verdienstvolle Organisation, die sich in besonderer Weise um die Interessen der in Deinen Reihen zusammen geschlossenen Ärzte kümmert. Ja mehr noch, in dieser verdienstvollen Organisation gibt es ganz sicher auch besonders verdienstvolle Mitglieder, die man bei Gelegenheit für ihre sehr besonderen Verdienste auch mal besonders auszeichnen sollte.

Das tust Du natürlich auch. Neulich habe ich einer Todesanzeige entnommen, dass der Verstorbene Träger des Ehrenreflexhammers des Marburger Bundes war. Seitdem lässt mich diese formschöne Wort nicht mehr los: Ehrenreflexhammer. Ich wollte mir im Baumarkt gleich auch einen kaufen. Aber da ich mich nicht als Mitglied Eures Vereins ausweisen konnte, habe ich leider keinen gekriegt.

Warum ausgerechnet ein Ehrenreflexhammer? Warum kein Ehrenstethoskop? Oder ein Ehrenrezeptblock? Oder ein Ehrenabführmittel? Oder den Ehrenarztkittel mit Reflexhammer und Rezeptblock am Bande?

Nein, Ihr müsst zeigen, wo der Hammer hängt. Was aber muss ich geleistet haben, um diese Auszeichnung zu erhalten? Dreißig Jahre mit dem Hammer auf Patienten eingeschlagen? 100.000 hammerharte Diagnosen gestellt? Oder doch nur 1.000 Vorstandssitzungen des Marburger Bundes ohne ernsthafte Erkrankungen überstanden?

Wenn ich den Einsatz des Reflexhammers in der ärztlichen Praxis richtig in Erinnerung habe, dann geht es ja im Wesentlichen darum festzustellen, ob der Patient noch zuckt. Je mehr Patienten noch zucken, desto besser habt Ihr Ärzte gearbeitet. Vielleicht gibt es ja deswegen den Ehrenreflexhammer.

Meine Erfahrung mit Ehrungen beschränkt sich auf eine Sportfest-Teilnahmebescheinigung im siebten Schuljahr. Zur Ehrenurkunde hat es nicht gereicht. Ich hatte irgendwie Probleme mit den Reflexen. Deswegen weiß ich auch nicht, wie eine solche Ehrung eigentlich vorgenommen wird.

Darf der Geehrte mit dem Hammer auf zehn Vereinsmitglieder seiner Wahl einschlagen? Oder ist es genau umgekehrt? Das verdiente Mitglied setzt sich auf die Bühne, schlägt die Beine übereinander und der amtierende Vorsitzende haut unter dem gerührten Beifall der Festgemeinde gegen das Knie des Jubilars. Und wenn der dann erfolgreich reflexartig gegen das Schienbein des amtierenden Vorsitzenden tritt, dann bricht die Gattin des Geehrten vor Rührung in Tränen aus, der Beifall steigert sich zum Orkan und anschließend stürzen alle ans Büffet und zeigen dort, dass auch sie über erstklassige Reflexe verfügen. Ja, so ungefähr muss es wohl sein, wenn der Ehrenreflexhammer des Marburger Bundes verliehen wird.

Glückwunsch

Tom Hegermann

Mehr über...
Glossen,

powered by webEdition CMS