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Liebe Hunde-Besitzer,

Hundeschulen sind ja inzwischen total in Mode. Kaum ein Tier, das nicht die mittlere Reife hat. Die ersten werden demnächst bestimmt an Universitäten angemeldet. Wobei ich ja schon die Sache mit der mittleren Reife schwierig finde.

Denn im entscheidenden Fach versagen die meisten Kläffer eben bis heute trotz allen Unterrichts immer noch. Im Fach Deutsch. „Wuff, wuff, wuff“ klingt für mich leider sehr nach: „Du siehst so lecker aus! Ich hab Dich zum Fressen gern!“ Was wäre das doch für ein Fortschritt, wenn das Tier mir stattdessen sagen könnte: „Mein Herrchen hat heute schon drei Büchsen Dosenfutter in mich hinein gefüttert. So appetitlich Du auch aussiehst, ich habe gerade keinen Kohldampf!“


Dann endlich könnte ich mich entspannen. So gelingt mir das leider eher selten. Wann immer so ein Hund freudig auf mich zugekläfft kommt und sein Herrchen oder Frauchen den Lieblingssatz aller Hundebesitzer flötet, wird mir ganz anders. Der Satz lautet ja bekanntlich: „Der will nur spielen!“


Leider teilen mir Hund und Mensch in der Regel nicht mit, welches Spiel denn da jetzt gespielt werden soll. Und so lange ich das nicht weiß, gehe ich sicherheitshalber von dem Spiel „Beiß den Hegermann“ aus. Daher reagiere ich ängstlich. Weswegen die Besitzer gerne meinen zweitliebsten Satz rufen: „Sie dürfen keine Angst zeigen!“ Na super, ich weiß nicht, ob das Tier nicht in 30 Sekunden Hackfleisch aus mir macht und soll dem Hund aber den pädagogisch wertvollen Eindruck vermitteln, in Wirklichkeit könne ich in 30 Sekunden Hackfleisch aus ihm machen.


Überhaupt habe ich zunehmend den Eindruck, dass es zwar immer mehr Hundeschulen gibt und im Fernsehen immer mehr Hundetrainer ihre wertvollen Tipps verbreiten, tatsächlich bei Hundeschulen aber das hier passiert: Sie werden schwanzwedelnd geschwänzt. 


Oder wie bitte ist es zu erklären, dass die Mehrzahl der Bellos bis heute nicht kapiert hat, das Zähnefletschen beim Tier zum Zähneklappern beim Menschen führt? Das heißt, wahrscheinlich haben die das sehr wohl kapiert. Aber eben nicht, dass ich das Zähnefletschen nicht zu schätzen weiß.


Ohnehin glaube ich inzwischen, dass das mit den Hundeschulen so eine Sache ist. Denn was bitte bringt es, wenn das Tier zwar das Gehorchen lernt, der Besitzer aber nicht das Befehlen? Oder weswegen treffe ich bei Spaziergängen ständig auf Menschen, die ihrem Tier „Kommst Du her!“ hinterher rufen. Und dann anschließend: „Jetzt kommst Du aber her!“ Und dann noch „Du kommst jetzt aber sofort her!“ Während der Hund es aber leider vorzieht, mir weiter mit dem Abbeißen von nicht ganz unwichtigen Körperteilen zu drohen. 


Mag ja sein, dass die Hundeschulen immer besser werden. Aber wann begreifen Herrchen und Frauchen endlich, dass auf Hundeschulen eigentlich gar keine Hunde unterrichtet werden, sondern Menschen?


Schönen Gruß

Tom Hegermann

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