Zitate sind Angeberei

Mit einem Vortrag wollen wir beeindrucken. Und das mit allen Mitteln. Gerne auch mit beeindruckenden Zitaten berühmter Leute. Aber beeindruckt das wirklich?

Was habe ich in meinem Leben schon an Vorträgen gehört, die mit dieser tollen Aufforderung hier endeten: „Und deswegen gilt für uns alle: Carpe diem!" Gerne werden die beiden Worte auch ans Ende einer Powerpoint-Präsentation gestellt.

Carpe diem! Nutze den Tag! Geht übrigens auf den römischen Dichter Horaz zurück. Aber was sagt mir der Vortragende mit diesem Zitat denn wirklich? Doch wohl vor allem das hier: „Ich habe mindestens ein ganz kleines Latinum. Und ich tue jetzt mal so, als sei ich ein Bildungsbürger!"

Zitate sind meistens peinliche Angeberei. Einerseits sind sie das Eingeständnisse, etwas selbst nicht vernünftig formulieren zu können. Andererseits soll damit gestrotzt werden, dass man den schönen Satz mal irgendwo gelesen hat. Und das, obwohl doch jeder weiß, dass ich mir für jede passende Gelegenheit im Internet jedes passende oder unpassende Zitat heraussuchen kann. In Sekundenschnelle und ohne die geringste Ahnung zu haben.

Zitate sind Vortrags-Doping. Allerdings so plumpes Doping, dass jeder Zuhörer die Doping-Kontrolle durchführen kann.

Mein Lieblingszitat ist übrigens von dem französischen Philosophen Paul Valéry und geht so. „Das Leben hat nur durch seine Extreme Wert – und nur durch das Mittelmaß Bestand!" Aber das ist hier wirklich nur zur Abschreckung angeführt. In Wirklichkeit kenne ich nämlich diesen und nur diesen und nicht einmal einen zweiten Satz von dem Herrn.

Sagen Sie es mit Ihren eigenen Worten. Das ist vielleicht nicht ganz so brillant. Aber es ist bestimmt nicht ganz so peinlich.

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