Was schenke ich Journalisten zu Weihnachten?

Ich hab in den achtziger Jahren in einer Zeitungs-Lokalredaktion angefangen. Die beste Zeit war dort die Weihnachtszeit. Denn ab Anfang Dezember haben uns die Vereine und Firmen die Bude eingerannt und uns mit Weinflaschen und anderen Geschenken überhäuft.

Am letzten Arbeitstag vor Heiligabend wurden die zahlreichen Geschenke zu möglichst gleichberechtigten Bergen zusammen gefügt und anschließend unter reichlich Glühwein-Konsum unter den Kollegen verlost.

Aber die Zeiten sind gründlich vorbei! Und das ist auch gut so!

Denn natürlich sind wir nicht mit Geschenken überhäuft worden, weil wir so nette Leute waren, sondern aus ganz handfesten Interessen heraus. Wir sollten gewogen gestimmt werden. Wer schreibt schon böse über jemanden, der einen zuvor reich beschenkt hat? Ich habe mal eine Pressekonferenz erlebt, da bekam jeder Journalist am Ende eine Stereoanlage. Gut, die war winzig klein und eher billig. Aber immerhin, eine Kompaktanlage. Geschenkt. Für die Teilnahme an einer Pressekonferenz. Und selbstverständlich in der Hoffnung, dass ich nur nette Sachen berichten würde.

Immer wieder hat es Versuche gegeben, Journalisten zu bestechen. Gelegentlich ist das auch gelungen. Aber schon der Anschein, man könne bestochen worden sein, ist für den Ruf eines Journalisten verheerend.

Und deswegen haben praktisch alle Redaktionen heutzutage ganz klare Regeln, die allenfalls noch erlauben, dass ich mir am Ende einer Pressekonferenz den Kugelschreiber mitnehmen darf. Und an Weihnachten sind Geschenke gänzlich unerwünscht und fehl am Platz.

Durchaus gestattet ist aber diese Variante, die bei Firmen immer populärer wird: Sie schicken freundliche Weihnachtsgrüße und teilen mit, dass sie natürlich inzwischen auf Geschenke verzichten. Und dann lassen Sie wissen, dass Sie stattdessen eine soziale Einrichtung mit einer Spende bedacht haben.

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