Wann überreiche ich den Journalisten eine vorbereitete Pressemappe?

Eins vorab: Journalisten sind geübte Schnellschreiber. Aber ihr Interesse, sich bei jeder Gelegenheit die Finger wund zu schreiben, ist eher begrenzt. Außerdem können die wenigsten von uns Steno. Das heißt, kein Journalist kann so schnell schreiben, wie Sie sprechen können.
Also ist es immer ratsam, für eine Presseveranstaltung vorab die wichtigsten Informationen in einer Pressemappe für die Journalisten zusammenzustellen. Allerdings gibt es zwei ganz unterschiedliche Meinungen, wann diese Mappen ausgehändigt werden sollen. Richtig davon ist aber nur eine.

Ich kann die Pressemappe gleich zu Beginn aushändigen und riskiere damit natürlich, dass mir die anwesenden Journalisten nur noch eingeschränkt zuhören, weil sie parallel zu meinem Vortrag in der Mappe stöbern, etwas lesen, darin bereits herummalen.

Oder aber ich händige die Mappe erst zum Schluss aus und stelle so die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der versammelten Journalisten sicher.

Allerdings nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch deren massiven Groll gegen Sie. Warum soll ich mir die Finger wund schreiben, wenn ich es hinterher eh überreicht bekomme? Da ich aber nicht wissen kann, was in der Pressemappe steht und was nicht, muss ich auf Verdacht trotzdem pinnen wie ein Weltmeister.

Außerdem hält sich jeder Journalist für – wie heißt das heutzutage? – Multitasking-fähig. Das heißt, er kann zuhören und lesen und schreiben gleichzeitig. Ja, er kann sogar erkennen, was Sie ihm aufgeschrieben haben und was Sie jetzt im Gespräch womöglich zusätzlich erzählen und er ist jederzeit in der Lage, das in den von Ihnen zur Verfügung gestellten Unterlagen zu ergänzen.

Doch, das kann er wirklich.

Und deswegen müssen Sie eine Pressemappe immer gleich zu Beginn verteilen und unter gar keinen Umständen erst ganz zum Schluss. Sonst scheitert jede Pressekonferenz.