Meine Damen und Herren!!!

Bei den Reden der Politiker, die die ja in den meisten Fällen gar nicht selber schreiben, steht in den Manuskripten in schöner Regelmäßigkeit das hier drin: „Anrede!“ Nein, an der Stelle soll der Redner natürlich nicht das Wort „Anrede“ aussprechen. Er soll das Publikum direkt ansprechen. Aber sollte er das wirklich?

In der Regel wird die Aufforderung „Anrede!“ mit den ungemein originellen Worten „Meine Damen und Herren!“ umgesetzt. Gerne auch in der nicht wirklich originelleren Variante „Meine sehr verehrten Damen und Herren!“. Und das immer wieder, weil die Redenschreiber auf fast jeder Seite einmal „Anrede!“ schreiben.


Das wird dann schnell langweilig. Und dem mag man auch nicht wirklich zuhören. Denn das muss mir ein Redner nicht ernsthaft sagen, dass er gerade versucht, mich anzusprechen. Sonst stünde er nicht da. Und ich säße nicht davor. Deswegen gilt für die Qualität von Rednern eine einfache Faustformel: Je häufiger er „Meine Damen und Herren!“ kräht, desto schlechter der Redner.


Der Hinweis „Anrede!“ ist dabei nicht wirklich falsch. Er muss vom Redner nur anders verstanden wird. Nämlich als Erinnerung daran, dass er die Zuhörer anreden soll, also ansprechen, also eine Nähe herstellen muss. Aber das eben ist etwas völlig anderes, als die geistlose Wiederholung der immer gleichen Floskel. 


Wollte ich nur mal geschrieben haben, meine sehr verehrten Leserinnen und Leser.


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