Journalisten und ihre Kunden

Keine Frage, Journalismus soll informieren, er soll aufklären, er soll kritisch hinterfragen. Journalismus hat eine ganz zentrale Aufgabe in unserer Gesellschaft. Aber um all das tun zu können, müssen die Journalisten auch gelesen, gehört, gesehen werden.

Und das erfordert, sich immer wieder Gedanken darüber zu machen, wer eigentlich die eigene Kundschaft ist. Und das sind eben nicht die, über die berichtet wird, sondern das sind die, für die berichtet wird.

Das ist eines der grundlegenden Missverständnisse im Zusammenhang mit Journalisten. Ein Journalist ist nicht dazu, Ihre Interessen zu vertreten. Er muss sich vielmehr überlegen, welche Interessen seine Kunden haben. Ja, seine Kunden. Die Begriffe Leser, Zuhörer und Zuschauer werden zwar viel häufiger benutzt, aber so richtig sie sind, so irreführend sind diese Begriffe zugleich.

Denn niemand – übrigens auch Sie nicht – lesen eine Zeitung, hören oder sehen eine Sendung, weil Sie dazu verpflichtet sind. Wir alle tun das, weil uns ein Medium etwas liefert, was wir wissen wollen, was uns interessiert. Ja mehr noch: Wir alle tun das in der Tat nur dann, wenn die Medien uns das entsprechende Futter liefern.

Nein, das heißt nicht, dass nur noch Schund und Boulevard eine Zukunft haben, das heißt aber sehr wohl, dass wir Journalisten immer wieder fragen müssen, was unsere Kundschaft interessiert und wie wir ein Thema so aufbereiten können, dass es unsere Kundschaft interessiert. Und nur wenn wir die Kundschaft erreichen, tun Sie das mit Ihren Anliegen auch.