Ich bin so frei!

Es gibt zwei ganz und gar unterschiedliche Möglichkeiten einen Vortrag zu halten (egal ob mit oder ohne Powerpoint): In der ersten Variante ist alles vorbereitet, der komplette Text geschrieben, er wird dann nur noch vorgetragen, abgelesen. Ausnahmslos alle wirklich guten Vortragsredner aber wählen den zweiten Weg: Die freie Rede. Die ist natürlich höllisch schwer. Denken die meisten. Ist aber falsch.

In der Regel beginnen Sie bei der Vorbereitung immer gleich. Sie machen sich ein paar Stichworte. Schließlich haben Sie Ahnung. Sie sollen ja über Ihr Fachgebiet reden. Da macht Ihnen ohnehin so schnell keiner was vor. Warum aber machen Sie sich dann am Schreibtisch die zeitraubende Arbeit, aus diesen Stichworten vollständige Sätze zu formulieren? Und die auch noch aufzuschreiben? Und die dann vorzulesen?


Zumal Sie genau das gar nicht gelernt haben: Einen Text so vorzulesen, dass er nicht vorgelesen klingt. Das nämlich ist in Wirklichkeit viel, viel schwerer als die freie Rede. Mit einer Vorlesestunde begeistern Sie die Zuhörer so gut wie nie.


Tatsächlich ist es als Vortragsredner Ihre Aufgabe, die Menschen im Saal an die Hand zu nehmen und Ihnen das hier zu sagen: „Ich hab Ihnen eine Geschichte zu erzählen. Kommen Sie einfach mit. Immer mir nach. Hören Sie mir einfach zu!“


Jetzt nehmen Sie mal genau diesen kurzen Text zwischen den Anführungszeichen und lesen ihn laut vor. Ich wette, Sie können das nicht. Jedenfalls nicht so, dass irgendwer sagen würde: „Boh, ist das gut.“


Und dann versuchen Sie so in zehn Minuten mal die andere Variante. Erzählen Sie einem Arbeitskollegen oder Ihrem Mann oder Ihrer Frau, was dieser Kerl da immer Internet über die freie Rede geschrieben hat. Und ich wette, Sie können das. Frei reden nämlich. Glückwunsch! Und ein paar Stichworte dürfen Sie sich ja immer noch machen. Sollten Sie sogar. Aber mehr nicht!


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