Ein Interview ist keine Diskussion

Wenn einem die Fragen nicht passen, dann ist man leicht versucht, den Interviewer in ein Gespräch zu verwickeln. Oder sogar Gegenfragen zu stellen. Aber darum geht es bei einem Interview nicht. Und deswegen wird jeder, der Ihnen Fragen stellt, Wert darauf legen, dass die Rollen klar verteilt sind.

Es ist schon viele Jahre her und ich war noch ein junger Moderator. Hartnäckig habe ich in einer Sendung Guido Westerwelle, der damals noch Generalsekretär der FDP war, Fragen gestellt. Und plötzlich drehte der den Spieß um und sagte zu mir: „Haben Sie denn einen besseren Vorschlag?"

Ich gebe zu, für einen Augenblick hat er mich damit massiv verunsichert. Denn natürlich hatte ich keinen besseren Vorschlag. Aber nach einer Schrecksekunde habe ich genau darauf hingewiesen: „Meine Aufgabe als Moderator ist es, Ihnen Fragen zu stellen. Politiker müssen im Gegensatz zu mir aber auch Antworten wissen."

So oder so ähnlich wird jeder Moderator, jeder Interviewer reagieren, den Sie in ein Gespräch verwickeln wollen. Zugegeben, ein Interview ist eine lästige, eine schwierige Situation. Fast wirkt der, der die Fragen stellt, wie ein Lehrer. Und das gefällt vielen Menschen nicht, die Antworten geben sollen und natürlich auch immer wieder verunsichert sind, ob sie in der Kürze der Zeit die richtigen Antworten finden.

Aber, ob es Ihnen passt oder nicht, genau das ist Ihre Aufgabe. Wenn Sie sich auf ein Interview einlassen, dann muss Ihnen das vorher klar sein. Sie müssen Antworten geben. Fragen stellt immer der andere.

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