Darf ich emotional sein?

Nein, natürlich nicht. Sie sind ein Technokrat. Und wenn Sie keiner sind, dann wollen Sie in einem Interview selbstverständlich wirken wie ein Technokrat. Denn nichts lieben die Menschen so sehr wie einen Technokraten. Oder vielleicht doch nicht?

Natürlich ist es genau umgekehrt. Jede menschliche Reaktion ist eine emotionale Reaktion. Übrigens auch die auf einen Technokraten. Nämlich diese hier: Meine Güte, ist der Kerl ein Langeweiler! Oder schlimmer noch: Ein Unmensch!


Und häufig genug geht es in Interviews  um durch und durch emotionale Themen. Um Unfälle. Um Streit. Um Entlassungen. In dem Fall zum Beispiel sagt der Technokrat: „Die Zahlen sind glasklar. Wir können uns derart viele Mitarbeiter nicht mehr leisten. Also müssen wir etliche von denen freisetzen. Sonst gefährden wir die Zukunft des Unternehmens!“


Der Mensch sagt: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schwer mir das fällt. Natürlich ist uns jeder Mitarbeiter wichtig. Wir sind aber derzeit in einer Situation, in der es für uns keinen anderen Ausweg als Entlassungen mehr gibt. Wenn wir jetzt nicht einige Stellen streichen, dann laufen wir Gefahr, am Ende alle Stellen streichen zu müssen. Und das kann keiner wollen.“


Deswegen wird Ihnen trotzdem keiner um den Hals fallen. Aber sie haben deutlich gemacht, dass sie als Mensch bei den Menschen sind. Ja, zeigen Sie Emotionen. Sie müssen ja nicht gleich in Tränen ausbrechen.

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