19.04.2018

„Wer unter Euch ohne Alkohol ist…“

Die Bischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Margot KäKäßmann hat es schwer erwischt. Beziehungsweise: Sie ist schwer erwischt worden. Als sie volltrunken eine rote Ampel überfuhr. Und jetzt ist sie damit ganz dick in den Medien. Nüchtern betrachtet: Sie hat ein Problem.

Schon in der Bibel heißt es ja sinngemäß: „Wer von Euch ohne Alkohol ist, der werfe die erste Flasche." Und da das viele berücksichtigen, bleiben die Flaschen derzeit eher in der Kiste oder im Weinkarton. Und trotzdem hat Bischöfin Käßmann es mit ihrer Alkoholfahrt bis in die Tagesschau geschafft und auf alle Titelseiten.

Dabei ist ein spannender Trick zu beobachten. Nein, so richtig mag keiner Margot Käßmann kritisieren. Es wird nur wieder und wieder die Frage gestellt, ob man sie nicht eigentlich kritisieren müsste. So wird kritisiert, ohne zu kritisieren. Und keiner kann den Kritikern vorwerfen, Kritiker zu sein. Gerade aus der Deckung heraus kann man nämlich prima schießen.

Und noch etwas zeigt uns der Fall: Wer sich zu allem immer äußert, der muss sich nicht wundern, wenn sich jemand daran erinnert und mal eben kurz ins Archiv steigt. Dabei ist ein Käßmann-Interview aus dem Jahre 2007 wieder ans Tageslicht befördert worden. Damals hat sie in einem Gespräch mit dem TÜV (ausgerechnet!) das mangelnde Verantwortungsbewusstsein von Autofahrern kritisiert, „insbesondere dann, wenn Alkohol und Drogen mit im Spiel sind."

Merke: Bei dem, was man heute sagt, sollte man immer auch an morgen denken.

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