Nein danke!

Ich bin ein Hellseher. Ich kann für die nächsten 100 Millionen Powerpoint-Vorträge präzise vorhersagen, wie diese Vortrage enden werden. Egal zu welchem Thema. Ich weiß es. Ich kenne den Schluss. Der ist nämlich jedes Mal die Danksagungsfolie. Nein, die ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Und überhaupt ist die nerviger Quatsch.

Eigentlich müssten sich ja sowieso die Zuhörer bei Ihnen bedanken. Vorausgesetzt, Sie waren gut. Aber die Höflichkeit gebietet es nun einmal, dass Sie sich für die Aufmerksamkeit bedanken. Das ist auch in Ordnung. Das tun Sie ja sowieso. Mit Worten. Aber wenn Sie es doch mit Worten tun, warum müssen Sie dann auch noch eine Folie einblenden, auf der exakt das noch einmal draufsteht, was Sie doch ohnehin gerade sagen? Das ist überflüssig. Völlig überflüssig. Und es ist langweilig. Langweilig, weil es eben jeder macht. Die Zuhörer behalten Sie aber nicht in Erinnerung, wenn Sie austauschbar sind. Die erinnern sich nur an Sie, wenn Sie außergewöhnlich sind. Das gilt natürlich für den gesamten Vortrag, die komplette Präsentation. Also muss das auch für den Schluss gelten.

Setzen Sie eine Aufforderung an den Schluss. Oder eine letzte besondere Geschichte. Und dann sagen Sie artig „Danke!“. Und dann ist aber auch gut.

Jetzt wird mancher einwenden, auf seiner Schlussfolie stehe ja nicht nur „Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit“, nein, da stünden auch seine Kontaktdaten. Mal ehrlich, hat einer von Ihnen in Zeiten, in denen wir alle im Internet wohnen, jemals ernsthaft Kontaktdaten von einer Schlussfolie abgepinnt? Eben. Hat er nicht.

Und wenn Sie diesen Ratschlag unbedingt in den Wind schlagen wollen, dann versuchen Sie es auf der Danksagungsfolie doch wenigstens mal so: „Herzlichen Dank dafür, dass Sie mir nicht weggeratzt sind!“

In dem Moment werden alle wieder wach sein. Und herzhaft lachen werden die. Und Sie für einen tollen Kerl halten. Oder eine tolle Frau.

Herzlichen Dank für Ihre für die Lektüre geopferte Lebenszeit.