11.01.2013

Klartext

Das wollen wir doch von unseren Politikern: Sie sollen uns endlich die Wahrheit sagen. Sie sollen nicht dauernd um den heißen Brei herumreden. Sie sollen verdammt nochmal endlich Klartext reden. So erklären wir vom Wahlvolk das in jeder Umfrage. Peer Steinbrück muss gerade lernen, dass wir das nicht wirklich so meinen.

Das ist ja die Standardempfehlung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit: „Klartext! Klartext! Klartext!“ Peer Steinbrück nimmt das ernst. Und redet sich damit um Kopf und Kragen. Beim Kanzlergehalt etwa. Der Standardkommentar lautete: „Da hat der falsche Mann zum falschen Zeitpunkt etwas völlig Richtiges gesagt!“ 


Genauso verhält es sich mit den in Bonn verbliebenen Bundesministerien. Natürlich machen die nur für Bonn Sinn und sonst für nichts und niemanden. Weiß eigentlich jeder. Darf ein Mann, der Kanzler werden will, aber offenbar nicht laut aussprechen.


Es ist schon eine spannende Erfahrung, die Steinbrück stellvertretend für viele andere Politiker da gerade macht: Wir Wähler wollen belogen werden! Naja, vielleicht nicht belogen. Aber die ganze Wahrheit muss es dann auch nicht sein. Und wenn, dann nicht sofort. Und auch nicht auf einen Schlag. Und vielleicht dann besser doch nicht. 


Wir selber halten es ja genauso. Wenn uns das nächste Mal jemand fragt, was wir von Politikern erwarten, dann krähen wir wieder „Ehrlichkeit“. Aber wehe, einer von denen nimmt uns beim Wort!