Das Powerpoint-Rätsel

Ich kenn das Gesetz nicht. Aber es muss ein solches Gesetz geben. Anders kann ich mir nicht erklären, dass bei mehr als 90 Prozent aller Powerpoint-Präsentationen eine ganz bestimmte Folie zum Einsatz kommt. Eine Folie, zu der jeder Vortragsredner exakt den gleichen Satz sagt. Nämlich diesen hier: „Ich weiß nicht, ob Sie das weiter hinten im Saal jetzt lesen können?!“

Können die Leute natürlich nicht. Weiß der Vortragsmensch auch selber. Und trotzdem werden wacker derart unsinnige Folien in Vorträge eingebaut. Wieder und wieder und wieder. Ich hab schon welche erlebt, die waren bereits in der allerersten Reihe nicht mehr lesbar. Als Opfer erleben wir das ständig. Aber warum werden wir dann selber anschließend so gerne zu Tätern?

 

Wahrscheinlich liegt es daran, dass gerade in unleserlichen Folien besonders viel Arbeit steckt. Deswegen sind sie ja auch unleserlich. Weil sie vollkommen überfrachtet sind mit Zahlen und Abkürzungen und Pfeilen und Kreisen und Zitaten und Farben und allem, was Powerpoint so hergibt. (Das gilt übrigens für die Apple-Fraktion und deren Keynote-Präsentationen deutlich seltener. Das muss das Steve-Jobs-Vermächtnis sein.)

 

Eine unleserliche Folie gehört nicht in die Präsentation. Die gehört auf den Müll. Das heißt, kürzlich habe ich eine Ausnahme erlebt. Da hat der Vortragsredner das hier gesagt: „Ich weiß, dass Sie die Folie nicht lesen können. Sie sollen sie auch gar nicht lesen können. Die Folie soll Sie einfach überwältigen.“ Das hatte dann schon wieder was.