19.04.2018

Anklage

Ja, auch das gehört zum Beruf des Journalisten: Missstände und die dafür möglicherweise Verantwortlichen anzuklagen. Journalistisch, nicht juristisch. Aber gerne klagen die so Angeklagten dann zurück und das dann sehr wohl juristisch. Nur tun sie sich damit in der Regel keinen Gefallen. Am Beispiel des Gründers des umstrittenen Finanzdienstleisters AWD Carsten Maschmeyer erleben wir das gerade exemplarisch.

Der NDR hat mehrfach über umstrittene Praktiken des AWD berichtet. Carsten Maschmeyer hat sich geweigert, dazu ein Interview zu geben. Stattdessen überzieht er den Sender und die Autoren mit Klagen. Und sorgt so dafür, dass das öffentliche Interesse an seinem Fall größer ist als je zuvor.

Die Geschichte ist nach hinten losgegangen. Und der Chefredakteur der Zeitschrift „Der Journalist" Matthias Daniel hat gerade in der neusten Ausgabe genau darauf hingewiesen. Und er hat daran erinnert, wie Barbra Streisand mal versucht hat, mit einer Millionenklage Luftaufnahmen ihres Hauses von einer Internetseite löschen zu lassen.

Bis dahin wusste kaum jemand, dass es solche Aufnahmen überhaupt gab. Erst durch die Klage wurden die Menschen darauf aufmerksam gemacht. Und solche Fälle gibt es immer wieder. Erst das juristische Vorgehen erzeugt die Aufmerksamkeit, die die Kläger doch gerade unterbinden wollten. Ganz so einfach ist es eben doch nicht, Journalisten einzuschüchtern. Ein paar ehrliche Antworten hätten da viel mehr Erfolg versprochen.

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