22.09.2010

Die Wahrheit

Vor ein paar Wochen habe ich an dieser Stelle die Uniklinik Mainz für ihre vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit gelobt, nachdem unter bis heute nicht wirklich geklärten Umständen drei schwerkranke Säuglinge in der Klinik ums Leben kamen, die eine offenbar verunreinigte Infusionslösung erhalten hatten. Jetzt hat der Chef der Uni-Klinik ein Interview zu seiner Öffentlichkeitsarbeit gegeben.

In der Süddeutschen Zeitung schildert Professor Norbert Pfeiffer, warum er gehandelt hat wie er gehandelt hat. „Ich wollte authentisch bleiben und bei der Wahrheit bleiben." Und dann sagt er noch: „Wenn man lügt, muss man ein sehr gutes Gedächtnis haben, und wahrscheinlich widerspricht man sich irgendwann. Bei der Wahrheit kommen Sie immer wieder auf dieselben Dinge. Deshalb ist die Wahrheit zu sagen nicht so gefährlich."

Pfeiffer schildert aber auch, wie wichtig es war, dass er als der Leiter der Klinik, der ja mit dem konkreten Vorgang überhaupt nichts zu tun hatte, sich vor die Mitarbeiter stellte: „Wenn Sie verantwortlich sind, müssen Sie den Kopf hinhalten. Wenn ich will, dass meine Mitarbeiter Fehler nicht unter den Teppich kehren, dann darf ich sie nicht bei der ersten Gelegenheit opfern, indem ich sage: „Damit habe ich gar nichts zu tun.""

Und schließlich kommt Pfeiffer auch noch zu dem Schluss, dass „unsere Offenheit sich ungeheuer ausgezahlt hat, weil uns später die entlastenden Informationen ebenfalls geglaubt wurden. Ich würde es wieder so machen."

Da könne viele Leute eine Menge von lernen.

Mehr über...
Notizbuch,