Liebes Arbeitsamt,

ja, ich weiß, dass Du inzwischen anders heißt. Aber wahrscheinlich heißt Du nächstes Jahr schon wieder anders. Da muss ich ja nicht jede Mode mitmachen.

Überhaupt verändert sich ja heutzutage die Welt so rasant, dass man kaum noch hinterher kommt. Etwa bei den neuen Berufen. Ich habe mit Interesse gelesen, dass es inzwischen einen Automatenfachmann gibt. Als Ausbildungsberuf. Und obendrein einen Fachmann für Automatenservice. Was jetzt offenbar nicht identisch ist. Und auch noch einen Speiseeishersteller. Außerdem Flechtwerkgestalter, den Produktveredler und den Kaufmann für Dialogmarketing. Plus natürlich die jeweiligen weiblichen Varianten. Also Fachmänner für Automatinnenservice, Produktinnenveredler und Speiseeishersteller für Gefrorenes in der Farbe Rosa. Falls ich das richtig verstanden habe.

Tatsächlich aber scheint mir alles ganz anders zu sein. Je mehr unterschiedliche Berufe es gibt, desto mehr tun wir nämlich im Grunde alle das Gleiche. Zumindest die von uns, die an einem Schreibtisch arbeiten.

Neulich habe ich meine Frau abends gefragt, was sie denn so den ganzen Tag im Büro gemacht hat. Worauf meine Frau antwortete: „E-Mails beantwortet!" In dem konkreten Fall hatte sie morgens 270 E-Mails auf ihrem Computer vorgefunden. So endet das, wenn frau mal zwei Tage auf Dienstreise war.

Ich zum Beispiel schreibe jetzt seit acht Minuten an diesem Text. Das heißt, acht Minuten habe ich an diesem Text geschrieben. Gedauert hat das eine halbe Stunde. Denn zwischendurch sind drei E-Mails eingegangen, von denen ich zwei sicherheitshalber sofort beantwortet habe. Und eine weitere habe ich noch so verschickt, weil mir gerade etwas Wichtiges eingefallen war. Hoffentlich ist der von mir Angemailte (schönes Wort, oder?) nicht an seinem Schreibtisch. Sonst antwortet er womöglich sofort, und ich komme hier wieder nicht von der Stelle.

Gelegentlich erlaube ich mir allerdings eine Mail auch mal 24 Stunden unbeantwortet zu lassen. Was in der Regel drei Nachfragen nach sich zieht, warum ich noch nicht geantwortet habe.

Eben deswegen wünsche ich mir den neuen Ausbildungsberuf des E-Mailers. Der oder die erledigt dann den ganzen Mist. Und unsereins kann sich endlich wieder auf die Arbeit konzentrieren. In der Hoffnung, dass da noch etwas übrig bleibt, wenn wir die ganzen E-Mails abziehen.

Schönen Gruß

Tom Hegermann

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