Liebe Ladenhüter,

ich habe mich in der Vergangenheit an dieser Stelle immer mal wieder mit Uli’s Weinladen, Heike’s Häkelstübchen und Erwin’s Rostbratwurst-Braterei beschäftigt. Also mit der Frage, warum der Apostroph offenbar ansteckend ist, im Grunde eine Krankheit. Mein Allzeit-Lieblingsbeispiel ist immer noch ein Modeladen in unserer Nähe. Der heißt: Pari’s Moden.

Gut, entweder heißt der Besitzer oder die Besitzerin tatsächlich Pari oder aber es ist tatsächlich die inzwischen ebenfalls grassierende Form der verschärften Apostroph-Krankheit. Die, die den an ihr Erkrankten zwingt, einfach jeden Buchstaben „S“ am Ende eines Wortes durch den Apostroph zu einem Aussätzigen zu machen: „Verschiedene Tee’s im Angebot“ oder „Wir verkaufen Gla’s“ oder auch „Vormittag’s geschlossen.“

Aber heute geht e’s mir doch eher um die Urform de’s Problem’s. Nein, jetzt gar nicht so sehr um die Genitiv-Verschandelung. Mir geht es mehr um Uli und Heike und Erwin. Lange Zeit hat nämlich auch mir der Apostroph die Sicht auf die eigentliche dramatische Veränderung verstellt.

Früher hieß ein Weinladen Weinladen. Vielleicht hieß der Weinladen auch noch Weinladen Pröttermann. Und Herr Pröttermann, Vorname unbekannt, war sehr stolz auf seinen Weinladen. Aber dann hat er sich in die Rente verabschiedet und seinem Sohn Uli, Nachname unbekannt, den Laden vermacht. Und der hat im Prinzip alles so gelassen wie früher, nur das Namensschild hat er abgeschraubt. Und deswegen heißt der Weinladen Pröttermann jetzt Uli’s Weinlädchen. Und „Handarbeiten Rumpelmeier“ heißt „Heike’s Häkellädchen“. Und die „Rostbratwurst-Braterei Kalorienhuber und Sohn“ heißt „Erwin’s Würgerei“.

Das muss man sich mal vorstellen, wie das geendet wäre, wenn dieser Vornamen-Wahn schon früher eingesetzt hätte. Das legendäre Stahlunternehmen Krupp wäre nie geschaffen worden. Stattdessen hätte der Gründer den Konzern „Alfred’s Radreifen-Schmiederei“ genannt. Statt Bayer gäbe es „Friedrich’s Hexenküche“. Statt Porsche hätten wir „Ferdi’s Neureichen-Bedarf“. Und in den Läden würden wir uns alle munter duzen, weil das derzeit so modern ist.

Ich habe in meiner Kindheit Nachbarn noch mit „Tante Krupp“ und „Onkel Porsche“ anreden müssen. Heute werde ich von den Nachbarblagen geduzt. Und auch das nur, wenn sie sich ausnahmsweise mal dazu herablassen, mich zur Kenntnis zu nehmen.  Ich glaube, ich mache demnächst auch einen Laden auf. In dem gibt es das hier: Nachnamen.

Es grüßt

Herr Hegermann

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