Liebe Gastronomen,

es gibt ja immer wieder interessante gastronomische Trends, mit denen Ihr um die hungrige Kundschaft buhlt. Gut, in vielen Verpflegungsstationen wird ein Angebot aus Courdon Bleu, Camembert mit Preiselbeeren und Schnitzel in sechs Varianten immer noch als völlig ausreichend erachtet.

Und ja, ich gebe es zu, ich habe es auch schon erlebt, dass in einem Restaurant, das sich um etwas gehobenere Verköstigung bemühte, die Kundschaft am Nachbartisch fünf Mal gebackenen Camembert verlangte und angesichts des Kopfschüttelns des Kellners eine gewisse Renitenz an den Tag legte. Wobei mich umgekehrt Zitronengras zur Simulation internationalen Standards mittlerweile auch schwer nervt.

Mit der Klasse hapert es dann eben oft doch. Deswegen muss es die Masse machen. Nur so kann ich mir den Trend hin zu XXL-Restaurants erklären. Die haben dann übrigens gerne so schöne Namen wie „Maximahl" oder „Restaurant Nimmersatt" oder – ernsthaft – „Zur dicken Emma" oder auch ganz deutlich „XXL-Fresstempel".

Die Speisekarten kann man übrigens nur dringend empfehlen. Vor allem dann, wenn man eine Diät machen will. Mir jedenfalls schlägt ein solches Angebot schwer auf den Magen. In einem Restaurant etwa wird ein „Monsterburger" mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern angeboten. Es steht leider nicht dabei, wo man einen Magen kaufen kann, in den ein solches Teil auch tatsächlich reinpasst.

Im nächsten XXL-Restaurant gibt es ein 1,2-Kilo-Rumpsteak. Als ich in meiner Jugend Rumpsteaks noch für eine gesunde Ernährung hielt, habe ich mal ein 300-Gramm-Steak geschafft. Schon drei Tage später musste ich nicht mehr rülpsen.

Wer bitteschön bestellt eine Zwei-Meter-Currywurst? Das kann doch nur eine ganz arme Wurst sein. Also sowohl die, die verzehrt wird, als auch der, der sie sich reinzwingt.

Ein Restaurant würdigt auf seiner Internet-Seite übrigens auch noch die besten Reinzwinger und deren faszinierende Rekordleistungen. Ein Dennis W. hat einen – ich zitiere wörtlich – „28-Zentimeter Burger-Koloss mit einem Kampfgewicht von fast zwei Kilogramm" – in 20 Minuten und 33 Sekunden vertilgt. Und ein Dirk G. hat kurzzeitig den Schnitzelrekord mit 1,5 Kilo gehalten. Dann aber kam ein Ralf R. und würgte sich noch 100 Gramm mehr in den Hals. Ob die Beteiligten das überlebt haben, darüber gibt die Internet-Seite leider keine Auskunft.

Schön fand ich bei einem anderen Etablissement auch die Information, die Speisekarte biete für jeden etwas, für den großen und den kleinen Hunger. Und im nächsten Satz heißt es dann: „Aber ebenso haben wir Speisen für unsere figurbewussten Gäste." Das sind dann offenbar die, die nicht einmal einen kleinen Hunger haben. Aber dafür vielleicht ein großes Gehirn.

Mahlzeit

Tom Hegermann

Mehr über...
Glossen,