Lieber Robert Ludlum,

ich gebe es zu, ich lese Ihre Bücher gern. Gut, in der Regel nur einmal im Jahr und meistens auf dem Weg in den Urlaub. Dafür ist die gute Unterhaltung garantiert. Ob im Matarese-Bund oder bei der Bourne-Verschwörung, im Holcroft-Vertrag oder beim Gandolfo-Anschlag – bei Ihnen ist immer Action garantiert. Und außerdem wird am Ende immer die Demokratie gegen eine Weltverschwörung der Bösen verteidigt. Mehr will ich nicht, wenn ich eigentlich gar nichts will.

Was mich aber besonders beeindruckt, sind all die vielen Bücher, die Sie in den vergangenen Jahren geschrieben haben und die dann auch prompt veröffentlicht worden sind. Beeindruckt bin ich deswegen, weil Sie doch 2001 eigentlich gestorben sind. Toll, wie Sie trotzdem munter weiterschreiben und Jahr für Jahr ein oder manchmal sogar zwei neue Bücher veröffentlichen.

Könnten Sie bitte Ihren Schriftsteller-Kollegen da oben im Himmel mal ausrichten, dass die sich ruhig ein Beispiel an Ihnen nehmen könnten? Ich warte immer noch auf den dritten Teil von Goethes Faust. Und von mir aus kann der den angesichts der geänderten Zeit heutzutage auch gerne „Immer auf die Fresse" nennen. Hauptsache, ich kriege das Teil demnächst im Buchhandel.

Oder wie ist das mit Tolstoi? Ich hätte nichts gegen „Leider immer noch Krieg und so gar kein Frieden." Oder „Moby Dünn" von Herman Melville. Oder „Buddenbrooks – Die nächste Generation" von Thomas Mann. Aber anscheinend leben die nach dem Tod prima von ihren Tantiemen und haben das nicht nötig.

Sie Mister Ludlum dagegen haben anscheinend zu Lebzeiten die ganze Kohle durchgebracht und müssen immer noch anschaffen. Was sagt mir das jetzt über das Paradies? Gibt es da doch keine kostenlosen Brathähnchen? Gilt auch da: „Wer soll das bezahlen? Wer hat soviel Geld?" Ich hab den Himmel immer so verstanden, dass da die Zinsen für das Leben ausgezahlt werden. Aber anscheinend muss ich bei Petrus erst einmal ein Bankkonto eröffnen. Und statt was rauszukriegen, muss ich weiter einzahlen. Wäre übrigens auch mal ein prima Thriller-Thema für Sie: „Die Paradies-Verschwörung".

Gut, es gibt natürlich noch eine andere Variante. Nämlich diese hier: Sie haben hier auf der Erde ein paar ziemlich gierige Nachkommen hinterlassen. Und die lassen jetzt munter andere Autoren unter Ihrem Namen weiterschreiben. Was ja jetzt auch nicht wirklich ein Kunststück ist. Schließlich haben Sie immer wieder dasselbe Buch geschrieben. Eine Bitte noch: Weiter so!

Ruhe unsanft!

Tom Hegermann

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