Liebe Musikfreunde,

keine Frage, Wolfgang Amadeus Mozart ist die Nummer Eins. Der größte Komponist, der jemals Noten zu Papier gebracht hat. Von der kleinen Nachtmusik bis zu Don Giovanni, von der Jupiter-Sinfonie bis zur Zauberflöte, von den Klavier-Konzerten bis zum Figaro.

Sein vielleicht wunderbarstes Werk aber ist das hier: „Wolfgang Amadeus Mozart: Wohlfühlen in der Schwangerschaft – Beruhigende und entspannende Musik für mich und mein Baby.“ Gut, ich gebe zu, bisher war mir diese Meisterkomposition nicht bekannt. Im Köchelverzeichnis, das alle seine Werke auflistet, fehlt es bis jetzt. Aber trotzdem habe ich es neulich im Laden gesehen.

 

Und zwar in einer Drogerie in dem Regal mit Wellness-CDs. Eine Doppel-CD übrigens. Also auch dann geeignet, wenn man, beziehungsweise frau mit Zwillingen schwanger geht. Wobei ich den Titel etwas irreführend fand. Denn „beruhigende und entspannende Musik für mich und mein Baby“ bedeutet ja wohl, dass Mozart das Werk aus Anlass seiner eigenen Schwangerschaft komponiert hat. Von einer Mozart-Schwangerschaft wusste ich allerdings bisher genauso wenig wie von der musikalischen Verarbeitung dieses Zustandes durch den Jahrtausend-Komponisten.

 

Übrigens muss sich Mozart auch nach der Niederkunft weiter mit dem Thema beschäftigt haben. Denn im Handel ist auch die CD „Mozart for my baby“ erhältlich. Meines Wissens übrigens nicht die einzige Arbeit des Meisters auf Englisch.

 

Direkt daneben stand im Laden noch „Mozart – Hits für Kids“ und auch „Mostly Mozart“. Jedenfalls habe ich festgestellt, dass die Mozart-Geschichte offenbar in weiten Teilen neu geschrieben werden muss. Zumindest hat Herr Köchel beim Erstellen des Köchelverzeichnisses ziemlich geschlampt.

 

Mozarts „Musik für besinnliche Stunden“ sucht man in der Auflistung leider vergeblich. „Mozart zur Meditation“ ebenfalls. Übrigens haben umfangreichere Recherchen meinerseits ergeben, dass Mozart nicht nur die eigene Schwangerschaft quasi benotet hat. Es gibt auch „Meine Baby-Klassik für Mutter und Kind“. 

 

Vergleichbare Arbeiten von Beethoven sind dagegen zum Beispiel überhaupt nicht bekannt. Von der Komposition „Beethoven für hyperaktive Kinder“ jetzt mal abgesehen.

 

Überhaupt finde ich, dass auch Mozart sich dann vielleicht doch ein wenig zu sehr auf Schwangerschaft, Kindheit und den erweiterten Heititei-Bereich konzentriert hat. Aber er konnte zu seiner Zeit natürlich auch noch nicht die heutigen kommerziellen Möglichkeiten ahnen.

 

Sonst hätte er bestimmt auch noch „Mozart gegen Magenverstimmungen“ komponiert. Und das „Heuschnupfen-Quartett“. Und „Wolfgangs wunderbare Welt der leichten Melodien“. Und wahrscheinlich würde irgendjemand auch eine CD kaufen, die sich „Mozarts Bratwurst-Beschallungsmusik“ nennt, nur weil ihm die Plattenfirma einredet, dass mit Mozart-Musik beschallte Bratwürste besonders lecker schmecken. Vor allem während der Schwangerschaft.

 

Schönen Gruß

Tom Hegermann

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