Liebe Poeten,

ja, das ist im Idealfall natürlich ein Gedicht, was Ihr da so im Schweiße Eures Angesichts zusammenreimt. Aber für die hohe Schule der Dichtkunst muss man nicht unbedingt ein Dichter sein. Das jedenfalls habe ich gedacht, als ich neulich einen Katalog mit Luxusimmobilien in die Hand bekommen habe.

Natürlich wird unsereins in seiner Eigenschaft als Durchschnittswohner da erst einmal neidisch. Ist ja klar. Wer träumt nicht gelegentlich von 751 Quadratmetern Wohnfläche? Gerade dann, wenn man sich selber nicht einmal die Säule links vom Eingang leisten kann. Und die Villa hatte viele Säulen. Im Prospekt stand übrigens: „Die luxuriöse Ausstattung setzt sich aus Teilstücken der ganzen Welt und Stilelementen verschiedener Epochen zusammen." Was ja im Klartext heißt: „Das Haus besteht aus einer sinnlosen Ansammlung unterschiedlichsten Unfugs." Aber deswegen muss man als Makler eben dichten können. Gerade auch in Zeiten der Immobilienkrise.

Im gleichen Katalog fand sich auch noch eine heruntergekommene Bruchbude, deren fachgerechte Sanierung bereits den Vorbesitzer offenbar in den Ruin getrieben hat. Das las sich dann so: „Durch den aktuellen Eigentümer wurde eine mehr als kostenintensive und gute Grundlage geschaffen, die früheren Repräsentanzeigenschaften der Liegenschaft den heutigen Bedürfnissen anzupassen." Und weiter: „Für den neuen Eigentümer gilt es daher, die bereits erfolgten aufwendigen Sanierungsarbeiten als Grundlage zu nutzen, um die endgültige Veredelung des Anwesens vorzunehmen und abzuschließen."

Es handelt sich also offenbar um eine Baustelle, die den heutigen Bedürfnissen in keiner Weise entspricht, die in finanzieller Hinsicht ein Loch ohne Boden ist und die selbst geschenkt noch zu teuer ist. Leider soll die Baustelle aber nicht einmal verschenkt werden, sondern trotzdem noch eine knappe Million kosten. Und obendrein scheint der Makler drauf zu hoffen, dass sich ein Depp findet, der das Ding aus dem Katalog kauft, ohne vorher eine Besichtigung durchzuführen.

Und so geht das weiter. Die nächste Immobilie etwa bietet ein hohes Maß an Variabilität. Dem Teil fehlen also anscheinend diverse Wände. Ein weiteres Gebäude wurde 1886 erbaut und 1982 kernsaniert. Also vor 26 Jahren und harrt damit natürlich dringend einer erneuten sofortigen Kernsanierung.

Trotz aller Poesie ist so ein Luxusanwesen also anscheinend in der Regel dann doch kein Gedicht.

Beruhigt

Tom Hegermann

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