Liebe Millionäre,

das hört man ja immer wieder, dass Geld nicht glücklich macht. Deswegen bedauere ich Euch auch wirklich. Die ganze Asche und dann womöglich am Ende trotzdem noch unglücklich, weil der neue Ferrari einen Kratzer auf der Innenseite der Motorhaube hat. Ohne Frage ein ganz, ganz hartes Schicksal.

Können wir uns vielleicht darauf einigen? Ja, Geld macht nicht wirklich glücklich. Aber mit Geld ist es dann doch ein klitze-kleines bisschen einfacher, glücklich zu sein, als ohne. Was jetzt natürlich uns Durchschnittsbürger auch nicht wirklich wei-ter hilft. Wir haben ja eh kein Geld.


Obwohl, das gibt es inzwischen ja quasi geschenkt. Meine Sparkas-se hat mir neulich einen freundlichen Brief geschickt. In dem fragt sie mich, ob ich mir nicht demnächst einen Herzenswunsch erfüllen möchte. Damit nicht genug. Im nächsten Satz steht da auch noch: „Fangen Sie ruhig schon mal an zu planen, denn mit un-serem Finanzierungsangebot geht Ihr Wunsch schnell in Erfüllung.“


Ich war schon dabei, meiner Sparkasse zu schreiben, mein Herzens-wunsch sei seit jeher ein Ferrari. Zur Not könne er auch einen Kratzer auf der Innenseite der Motorhaube haben. Aber nur einen ganz kleinen. Und ansonsten käme ich am nächsten Tag vorbei, um die halbe Million abzuholen. Man solle sie schon einmal bereit halten.


Dann habe ich mir aber gedacht, dass die Sparkasse das ja womög-lich gar nicht aus lauter Nettigkeit angeboten hat. Bei all dem, was man inzwischen über das verlotterte internationale Finanzwe-sen gehört hat, wäre es denen glatt zuzutrauen, dass die am Ende das Geld auch noch zurückhaben wollen. Da muss man heutzutage ganz vorsichtig sein!


Ganz skrupellos ist ja die Variante mit den Zinsen. Da wollen die angeblich nicht nur das Geld zurück, nein, die wollen sogar mehr Geld zurück als ich mir geliehen habe. Jahrelang stottern da man-che Leute ihre Schulden ab. Schulden will ich nicht. Schulden sind ganz gefährlich. Das weiß ich natürlich.


Aber meine Sparkasse ist wirklich nett. Von Zinsen stand in dem Brief nichts. Das hat mir doch sehr imponiert. Da stand auch überhaupt nichts von Schulden. Oder von der Gefahr, ich könne das Konto überziehen. Nein, in dem Brief stand das so: „Ab sofort steht Ihnen ein erweiterter finanzieller Gestaltungsspielraum zur Verfügung“.


Einfach so. Ich muss dafür offenbar nicht einmal etwas tun. Außer mit dem Spielraum zu spielen. „Ihre Bonität setzen wir voraus!“ schrieb die Kasse noch. Kein Problem. So heißt eine unsere Kat-zen: Bonnie. Her mit den Millionen!


Schönen Gruß

Tom Hegermann

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