Liebe Kranke,

ja, die Gesundheit ist ein kostbares Gut. Weswegen ja auch die Pillen und Salben zur Wiederherstellung unserer Gesundheit meistens nicht ganz billig sind. Daher fand ich es durchaus interessant, dass mir eine dieser umstrittenen, aus dem Ausland operierenden Billig-Apotheken neulich ihren Katalog geschickt hat.

Besonders interessant waren übrigens gar nicht die Preise. Besonders interessant war, einmal derart geballt der Werbung für pharmazeutische Produkte ausgesetzt zu sein. Die erstreckte sich übrigens vor allem auf die bekannten Volkskrankheiten Erkältung, Brechdurchfall, Hämorrhoiden und Potenzstörungen. Also bis auf die Erkältung obendrein samt und sonders auf Leiden, mit denen man sich eher ungern in der Apotheke in die Schlange stellt.

„Imodium akut macht dem Durchfall Beine!" konnte ich da zum Beispiel lesen. Was sich übrigens als sehr effektive Werbung herausgestellt hat. So sehr ich mich auf gezwungen habe, mir das besser nicht im Detail vorzustellen, so sehr werde ich die Bilder seitdem nicht mehr los. Ein Durchfall mit Beinen. Der Wahnsinn. Dabei habe ich bisher gedacht, dass der Durchfall auch ohne Beine in erster Linie das hier tut: Laufen. Selbst wenn man stundenlang sitzen bleibt. Sie wissen schon wo.

Spannend auch, dass es tatsächlich das legendäre Potenzmittel Okasa immer noch gibt. Das ist meines Wissens das Zeug, in das Bundespräsident Heinrich Lübke vor vielen Jahren die japanische Stadt Osaka umbenannt hat, als er dort zu Besuch war. Was sein Ansehen in Japan und weltweit damals nicht gerade potenziert hat.

Aber jetzt weiß ich dank des Werbekatalogs endlich auch, dass Okasa Rinderhodenextrakt enthält. Tja, mach mir den Stier. Aber will ich das wirklich schlucken? Und führt die Vorstellung, das tun zu müssen, dann nicht doch wieder zu Brechdurchfall, also zu einem pharmakologischen Teufelskreis?

Direkt neben Okasa war übrigens die Verpackung eines Nahrungsergänzungsmittels zur Stärkung der Sexualität abgebildet, welches auf den schon sehr überzeugenden Namen „Eumel-Bull-Kraft" hört. Was ich hier sicherheitshalber nicht weiter kommentieren möchte. Allenfalls soviel: Das kann man sich wirklich nur schicken lassen. Weil man in der herkömmlichen Apotheke bei der Bestellung derart rot werden würde, dass die Verkaufsfachkraft dringend noch ein Mittel gegen Bluthochdruck empfehlen würde.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsarzt oder fragen sie den Beilagenapotheker.

Gesundheit!

Tom Hegermann

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