Liebe Apotheker,

im vergangenen halben Jahr war ich einmal erkältet. Und dann brauchte ich noch eine Salbe. Das war es aber auch. Nun bin ich ja ein netter Mensch. Bilde ich mir jedenfalls ein. Also habe ich die Erkältungs-Grundausstattung in der einen Apotheke unseres Ortes gekauft. Die Salbe aber in der anderen. Soll mir keiner damit kommen, er hätte von meinen Erkrankungen nicht profitieren können. Außerdem ist es immer gut, zwei Apotheken im Ort zu haben, für den Fall, das eine mal pleite geht.

Wobei, eigentlich müssten ja beide pleite gehen. Denn ich lebe in einem Stadtteil mit nicht einmal 10.000 Einwohnern. Ein Kaff weiter leben keine 6.000 Leute. Da gibt es auch zwei Apotheken. Und noch ein Kaff weiter wohnen 4.000 Menschen mit immerhin noch einer Apotheke. Und auf der Haupt-Einkaufsstraße unserer ganzen Stadt mit 100.000 Einwohnern, da lebt überhaupt niemand, wie das bei Einkaufsstraßen ja so ist. Dafür gibt es dort auf 500 Metern allerdings sieben Apotheken.

Da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass ich bei jedem meiner seltenen Apotheken-Besuche darauf hingewiesen werde, dass man zahlreiche erstklassige Medikamente vorrätig habe und mir gerne bei der Auswahl einer zu den Medikamenten passenden Erkrankung behilflich sei.

Ich hab mal nachgezählt. Auf der gleichen Strecke von 500 Metern in der Einkaufsstraße gibt es zwar einerseits sieben Apotheken, andererseits aber gerade mal fünf Bäcker. Was natürlich die Frage nahelegt, ob die Menschen mehr Medikamente verzehren als Brot und Brötchen. Oder ob der ein oder andere Apotheker angesichts der starken Konkurrenz vielleicht nicht doch langsam mal auf Bäcker umschulen sollte.

Auf Dauer jedenfalls kann das doch eigentlich nicht funktionieren. Wer soll denn all die Mittel schlucken? All die Salben verreiben? Von der, die ich Jahr gekauft habe, habe ich ungefähr drei Prozent benutzt. Dann war das Haltbarkeitsdatum abgelaufen. Seitdem habe ich weitere drei Prozent verrieben. Übrigens mit guter Wirkung. Warum sollte ich also eine neue Tube kaufen?

Gut, eigentlich muss ich mir nicht Euern Kopf zerbrechen. Obwohl Euch das wahrscheinlich gefällt. Denn wenn ich davon Kopfschmerzen kriege, dann steigt wenigstens Euer Umsatz. Aber könnt Ihr angesichts all der weißbekittelten Konkurrenz wirklich noch ruhig schlafen? Oder seit Ihr dann am Ende doch zumindest bei den Schlafmitteln selber Eure besten Kunden? Darüber denke ich jetzt drei Mal täglich nach. Vor den Mahlzeiten.

Gute Besserung

Tom Hegermann

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