Liebe Apotheker,

den Satz kennen wir ja alle aus der Werbung: „Zurisunibfragsieihnaztapteker.“ Der wird immer so schnell ausgesprochen, dass ihn kein Mensch verstehen kann. Deswegen ist bestimmt irgendwann die Regelung eingeführt worden, dass er obendrein auch als Schriftzug eingeblendet werden muss: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“

Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Ihr zum Beispiel auch nur annähernd wisst, was ich mir mit der Einnahme von Kopfschmerztabletten alles antun kann. Vor mir liegt der Beipackzettel einer Packung Billig-Aspirin, die ich neulich käuflich erworben habe.


Schon da hat mich Eure Kollegin nicht darauf aufmerksam gemacht, dass diese Tabletten nur in Kombination mit einer Lupe eingenommen werden dürfen. Nein, keine Sorge, ich will die Lupe nicht schlucken. Ich brauche sie nur, um den Beipackzettel lesen zu können. 


Dann wollen wir mal anfangen. Eigentlich soll ja was gegen Kopfschmerzen getan werden. Tatsächlich kann es aber häufig zu Magen-Darm-Beschwerden und geringfügigen Blutverlusten aus dem Magen-Darm-Bereich kommen. Steht auf dem Zettel.


Außerdem kann ich Magengeschwüre kriegen, Atemnot, Schwellungen von Gesicht, Zunge und Kehlkopf. Weiterhin Leber- und Nierenfunktionsstörungen. Die Blutzuckerwerte können vermindert werden. Schwere Hautausschläge sind nicht ausgeschlossen. Von Übelkeit, Erbrechen und Durchfall jetzt mal ganz abgesehen.


Kurz: Ich lebe gefährlich. Und das bei der doch vermeintlich harmlosesten Pille, die es weit und breit zu schlucken gibt. Sogar ohne Rezept. Oder sollte ich sie doch lieber unter ärztlicher Aufsicht einnahmen? Und das auch am besten nur, wenn der Arzt Zeit hat, sich 48 Stunden daneben zu stellen?


Und dabei haben wir über die Gefahr des Naseblutens, des Zahnfleischblutens und der Hirnblutung noch gar nicht geredet. Über Eisenmangel nicht und über Schwindel, Ohrensausen und Sehstörungen auch nicht. Stehen aber alle im Kleingedruckten auf dem Beipackzettel.


Kurz: Ich will meine Kopfschmerzen lindern und begebe mich ganz offensichtlich in akute Lebensgefahr. Und dafür soll ich auch noch Geld bezahlen! Unerhört!


Am besten aber hat mir dieser Satz hier gefallen: „Bei längerem hoch dosierten, nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch von Schmerzmitteln können Kopfschmerzen auftreten.“ Also im Klartext: Das Mittel gegen Kopfschmerzen kann Kopfschmerzen verursachen.


Jetzt muss ich nur aufpassen, dass ich mir über all das nicht zu sehr den Kopf zerbreche, denn sonst müsste ich das Gift ja tatsächlich einnehmen.


Verängstigt

Tom Hegermann