Liebe Einkäufer,

nicht alles, was wir kaufen, macht uns glücklich. Nicht alles, was wir bezahlen, ist seinen Preis wert. Und nicht jeder will den Ärger darüber verschweigen. Deswegen ist ja das Internet erfunden worden. Oder hat es dafür noch andere Gründe gegeben? Ich glaube nicht.

Im Internet kann jeder zu allem seinen Senf dazu geben. Wer sich zum Beispiel ein T-Shirt kauft, der kann anschließend das hier ins Netz schreiben: „Dieses T-Shirt hat mich nicht überzeugt, aus 3XL wurde nach dem Waschen höchstens noch XL. So stark ist es eingelaufen.“ Dass Ottfried Fischer neben der Schauspielerei noch Zeit hat, sich im Internet über eingelaufene T-Shirts zu beschweren. Der Wahnsinn.

Ein anderer T-Shirt-Käufer schreibt: „Die Nähte sind sehr fein und sauber verarbeitet.“ Das finde ich wichtig, dass es Menschen gibt, die ein Produkt sehr eingehend prüfen und die Mitmenschen vor allem auch über die Prüfergebnisse von Nähten informieren. Kurzzeitig habe ich ja gedacht, das habe der Hersteller geschrieben. Aber der hätte bestimmt nicht hinzugesetzt, dass der Kragen zu eng ist und ihm der Hals leicht abgeschnürt worden ist.

Über einen Sechser-Pack Herrenunterhosen schreibt eine international anerkannte Unterhosenfachkraft: „Die Qualität ist prima.“ Zum Glück werden mir Einzelheiten erspart. Aber gleich darauf wird dann Klage geführt, dass das Bild im Internet sechs schwarze Unterhosen versprach. „Es waren aber zwei schwarze, zwei blaue und – ich glaube – zwei dunkelgraue.“

Doch, wirklich, da steht „ich glaube“. Die Unterhosen müssen also nicht ernsthaft dunkelgrau sein, der Käufer hat es vielleicht nur an den Augen. Und vielleicht ja ein ganz klein wenig am Kopf.

Ein anderer Kunde beschwert sich über eine andere Unterhose. Die sei am Bund etwas weit und rutsche leicht. Eine Anni dagegen lässt mich wissen, dass der Freund seine Shorts sehr gerne trägt. „Sind wohl sehr bequem und sehen super aus!“

Was muss das für eine Frau sein, die ihren Freund in Unterwäsche begutachtet und deren größtes Verlangen danach darin besteht, im Internet der ganzen Welt mitzuteilen, dass dieser Freund das Zeug gerne trägt? Unter der Kritik kann ich übrigens anklicken, ob die Information hilfreich war. Ohne Foto des jungen Paares kann ich dazu leider kein abschließendes Urteil abgeben. Und eigentlich will ich das auch gar nicht.

Ein weiterer Herr informiert darüber, dass für ihn das entscheidende Kriterium sei, die Unterwäsche nicht zu spüren. Bei dem erworbenen Exemplar sei er jedoch abends sehr froh gewesen, es wieder ausziehen zu dürfen.

Und so geht das Seite um Seite. Eine ganze Nation sitzt spärlich bekleidet vor dem Computer und verfasst Unterhosen-Kritiken. T-Shirt-Beschwerden. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich bin echt von den Socken. Ach ja, Socken. „In der Länge geringfügig zu groß ausfallend, keine spürbare Naht, aber je ein kleiner Knubbel am großen und kleinen Zeh.“

Äh, tja, mmhh
Tom Hegermann

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