Liebe Handynetz-Betreiber,

ich hab meinen Handy-Tarif gewechselt. Ich hatte noch so einen uralten, bei dem ich zwar unendlich viel telefonieren durfte, aber bei dem jede Minute im Internet extra gekostet hat. Und da man ja heutzutage gesetzlich verpflichtet ist, ein Handy zu haben, das auch Internet kann, brauchte ich einen neuen Tarif.

Ich hatte mir das allerdings ein ganz klein wenig einfacher vorgestellt. Jetzt aber war ich plötzlich mit der Frage konfrontiert, ob für mich ein Tarif der richtige ist, bei dem ich elf Euro Basispreis für Telefonate im eigenen Netz zahle plus 0,25 Euro pro Minute in andere Netz und 0,19 Euro pro Minute ins Festnetz und eine Flatrate für das Internet mit obendrein 3000 Frei-SMS im Monat bekomme und auch noch einen Spezialtarif für Gespräche nach Burkina Faso. Vorausgesetzt natürlich, ich rufe dort nur in den zehn Minuten vor Mitternacht an. Und das an einem Wochentag, der mit dem Buchstaben Y beginnt.


Das hätte natürlich den Nachteil gehabt, dass sämtliche MMS gesondert abgerechnet worden wären. Ich weiß zwar gar nicht, was MMS sind, aber ich sollte mich entscheiden. 


Überhaupt – wie sollte ich mich entscheiden? Flatrate, habe ich mal gehört, ist ganz wichtig. Also eine Flachrate. Gut, ich halte jetzt beim Telefonieren mein Handy meistens senkrecht. Aber für das Internet halte ich es dann doch meistens waagerecht. Gibt es deswegen die Flachrate?


Nein, haben mir Freunde erklärt. Flatrate heiße nicht Flachrate. Flatrate heiße auch in der deutschen Variante Flatrate. Und sie bedeute, dass ich einmal einen Festbetrag bezahle und dann könne ich mich im Netz austoben. Bei der Flatrate für das Internet stand aber ausdrücklich dabei, sie Ende bei 300 Megabyte Datenvolumen.


Was bitte bedeutet das jetzt wieder? Ist das also eigentlich eine Nicht-ganz-so-Flatrate? Und was sind 300 Megabyte Datenvolumen? Reichen die für zehn Minuten Internet im Monat? Oder reichen die für zehn Monate Internet im Monat?


Erst habe ich mich ja geärgert und gedacht, Sie würden das so kompliziert machen, damit ich mehr kaufe als ich eigentlich brauche. Aber dann habe ich kapiert, dass Sie netterweise auf meine ganz persönlichen Bedürfnisse eingehen wollen. 


Dafür finde ich Ihre Angebote aber noch nicht ausgereizt genug. Ich zum Beispiel nutze bei Telefonaten ausschließlich mein linkes Ohr. Immer. Das gebe ich Ihnen bei Vertragsabschluss auch gerne schriftlich. Vorausgesetzt natürlich, das wird durch einen günstigeren Tarif berücksichtigt. Also zum Beispiel durch eine Linkes-Ohr-Flatrate. 


Außerdem telefoniere ich fast nur auf Deutsch und ganz selten mal auf Englisch. Wir können also vertraglich andere Sprachen komplett ausschließen. Und ich wäre sogar bereit, mich dabei immer auf mein rechtes Bein zu stellen, falls es dafür ein Sonderangebot gibt. 


Wie bitte? Gibt es nicht? Na dann haben Sie aber noch eine Menge zu tun. Ich ruf die Tage mal an. Kurz vor Mitternacht. Die Hotline in Burkina Faso.


Ihr

Tom Hegermann

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