Hallo,

ist Ihnen das auch schon aufgefallen, dass immer mehr Leute immer häufiger „Hallo“ sagen. Aber Hallo. Ist wirklich so. Und sie sagen es nicht nur, sie schreiben es auch. Und das finde ich ganz zauberhaft.

Früher gab es bei geschäftlichen Briefen und E-Mails zwei verschiedene Möglichkeiten, den jeweils anderen anzureden. Nämlich einmal die Variante: „Sehr geehrter Herr Schmiesepampel". Oder aber die etwas vertraulichere Anrede: „Lieber Herr Hegermann!" Ich habe gegen beide im Grunde nichts einzuwenden. Schließlich ist Ehre im Zusammenhang mit meiner Person immer und überall vollständig angemessen. Obendrein handelt es sich bei mir um einen ausgesprochen liebreizenden Menschen. Eigentlich müssten die Leute „Sehr geehrter, lieber Herr Hegermann" schreiben, um all meinen Besonderheiten umfassend gerecht zu werden.

Tun Sie aber nicht. Stattdessen drücken sie sich zunehmend um beide Freundlichkeiten und krähen mir ein schriftliches „Hallo" entgegen. Ein „Hallo", das ich dann mit „Sehr geehrte/r" oder „Liebe/r" beantworte. Aber den Wink versteht eh grundsätzlich niemand.

Es kann nicht mehr lange dauern und aus dem „Hallo" wird ein „Hallihallo". Was bei „Hallihallo, Herr Hegermann" zugegeben einen ganz netten Stabreim ergibt, mich aber trotzdem nur sehr eingeschränkt begeistert. Anschließend kommt dann bestimmt „Hallöchen, Herr Hegermannchen, ich hätte da mal ein Problemchen! Schöne Grüßchen!"

Oder bin ich zu empfindlich? Wahrscheinlich kriegt inzwischen sogar die Bundeskanzlerin Post, die mit „Hallo, Frau Merkel!" beginnt. Ich würde das allenfalls sagen, wenn die Bundeskanzlerin neben mir im Restaurant sitzen und was liegen lassen würde. „Hallo, Frau Bundeskanzlerin, Sie haben Ihre Gesundheitsreform vergessen!" Aber wahrscheinlich würde ich schon bei „Ha" von „Hallo" von ihren Leibwächtern zwischen Suppenteller und Rotweinglas überwältigt, weil die denken, ich wollte „Halt oder ich schieße!" sagen. Das wär dann ein großes Hallo.

Wissenschaftlich ungeklärt ist übrigens die Herkunft von „Hallo". Am besten gefällt mir diese Variante: Als es in Frankreich noch keine Kanalisation gab, wurden die Fäkalien einfach aus dem Fenster gekippt. Und dazu rief man, um die Passanten zu warnen: „À l’eau!" Was soviel heißt wie: „Vorsicht, es kommet ein Wasserschwall!"

Hochachtungshallo

Tom Hegermann

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